Sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe im Stall. Lukas 2,7
Wir waren um 14:00 Uhr verabredet. Ein Blick auf die Uhr. 14:15 Uhr. Hm. Es half ja nichts.
Ich zog mir alte Klamotten an, ging nach draußen, öffnete das Scheunentor, betätigte den Kippschalter für die Beleuchtung und sah mich um. Seufz. Nochmal zurück ins Haus und einen Wäschekorb holen. Nun aber los.
Bald stapelten sich leere Tontöpfe im Wäschekorb. Ich schaffte sie von vorne links nach hinten rechts. Zwei Beutel Blumenerde, ein Eimer mit Streusalz, diverse Gartendeko, das alte Fahrrad und dieses unförmige Gartengerät auf zwei Rädern folgten. Nun noch die beiden Mülltonnen nach draußen rollen. Das schaffte Platz.
Da kam die verabredete Hilfe. Erleichtert erklärte ich meinen Plan.
Wo waren eigentlich unsere Straßenbesen? Egal. Dann holte ich halt die beiden Küchenbesen. Helfer und Helferin befreiten bestmöglich den Scheunenboden von Staub. Ich nahm den zusammengefegten Dreck mit einer Schneeschaufel auf und warf ihn in die grüne Tonne. Bei den Wänden musste ich selbst mit dem Besen ran. Feuchte Klumpen von jahrzehntealtem Staub-Spinnennetz-Gemisch ließen meine Enkel erschaudern und sich angewidert abwenden. Schließlich sahen wir uns um und waren mit dem Ergebnis zufrieden.
Erstmal Teepause und ein Häppchen essen.
Dann begann die Lichterketten-Diskussion. Gutes Licht wäre das A und O bei einer Feier, erklärte mein Enkel. Mit Lichterketten hatte ich keinerlei Erfahrung. Aus einer Intuition heraus hatte ich aber vor Wochen eine erworben. Eine 200er für innen und außen mit Timerfunktion in Bernsteinfarben mit 8m Zuleitung. Zögerlich kramte ich nach dem Karton und überreichte sie dem Licht-Fachmann. Und hier. Bitte schön, war noch eine ganz kurze Kette mit roter Sternen-Deko. Schnell konnte ich feststellen, dass ich nicht die Einzige mit mangelnder Lichterkettenerfahrung war. Doch an gutem Willen fehlte es nicht.
Zurück in der Scheune schauten wir uns wieder einmal prüfend um. Das gruselige Graffiti neben der Leiter musste weg, meinte die eine; diese schwarzen Flecken an der Wand vorne rechts sahen eklig aus, meinte der andere und bloß nicht weiße Lichter mit bernsteinfarbenen mischen, erbat sich die Dritte. Wir wunderten uns etwas über die allgemeinen Empfindlichkeiten, doch waren zur Abhilfe bereit. Das Gruselbild wurde verhängt, vor die schwarzen Flecken kam Tannengrün und das weiße Licht durfte ganz vorn links auf einer Topfblume leuchten, wo es nicht weiter störte.
Jetzt war der richtige Zeitpunkt, die Gartenbänke hereinzuholen und aufzustellen. Leider regnete es. Naja. Wir schleppten drei pitschnasse Bänke heran und stellten sie in U-Form in der Scheune auf. Das sah ganz gut aus, würde aber nicht ausreichen. Also nahmen wir noch einen Tisch dazu und drei Stühle. Das könnte gehen.
Hier wäre Platz für die Enkelgeschenke, dort für die an unsere Kinder und Schwiegerkinder, und da auf den Stühlen für die Geschenke an unsere Mütter. Auch für meinen Bruder ließe sich ein Eckchen finden. Damit jede*r seine zugedachten Glückseligkeiten fände, müssten natürlich noch Namensschilder hin und somit wäre die kontaktlose Bescherung gesichert.
Und was war nun mit der 200er Lichterkette für innen und außen mit Timerfunktion in Bernsteinfarben mit 8m Zuleitung? Enkelin und Enkel hatten eine Idee. Ich leider nicht. Aber ich holte die Stehleiter aus dem Keller, stellte Hammer und Nägel zur Verfügung und ließ sie machen. Nachher staunten wir alle drei über den Effekt. Beim Feiern kam es tatsächlich auf das richtige Licht an.
Für die Steigerung der Gemütlichkeit legten wir Tücher über ein vorher gespanntes Seil und trennten damit den hinteren unaufgeräumten Teil der Scheune von dem super beleuchteten Festsaal vorn am Eingang.
Fertig. Die ganze Aktion hatte bis in den Abend hinein gedauert und wurde mit einem gemeinsamen Essen abgeschlossen.
Und warum das Ganze? In der Scheune gab es viel frische Luft. Und frische Luft war wichtig bei der Weihnachtsfeier im Coronajahr 2020.
Zwischen Fegen und Dekorieren hatte mein Enkel gefragt: „Wurde Jesus nicht auch in einer Scheune geboren?“ Ich hatte das kopfnickend bestätigt und mir vorgestellt, wie Josef vor Jesu Geburt Spinnweben im Stall entfernte und nach einem geeigneten Besen zum Ausfegen suchte.
Außer den lahmen und kranken Tieren lasst ihr auch noch gestohlene Tiere zum Opfer zu. Und das soll ich von euch annehmen, ich, der HERR? Maleachi 1, 13
Komisch, diese Gedankensprünge beim Bibellesen. Heute dachte ich an die Porreestangen, die ich kürzlich in der Gemüsesuppe verarbeitet habe. Sie waren nicht mehr ganz frisch und in etwa so dick wie mein kleiner Finger. Ich hatte sie geschenkt bekommen. Das war nett.
Eine Freundin der Gärtnerin hatte ebenfalls Poreestangen bekommen – dick wie mein Handgelenk. Ich versuchte, es nicht persönlich zu nehmen. Ich war schließlich nur die Schwiegertocher.
Wie ich darauf komme? Ich habe Maleachi 1,10-12 gelesen und folgendes erfahren:
Auf dem Tisch des Herrn im Tempel landen blinde, lahme und kranke Tiere, die von den Priestern mit Unlust zubereitet werden. Es kommt nicht so darauf an, sagen sie.
Doch das ist ein Irrtum. Die Priester hatten Gott vollwertige Tiere versprochen. Er fühlt sich betrogen und ist zornig. Er nimmt es persönlich:
„Wenn doch nur jemand die Zugänge zu meinem Tempel verschließen würde, damit ihr nicht solche sinnlosen Opfer auf meinem Altar darbringt!… Auf der ganzen Erde… werden mir würdige Opfergaben dargebracht… Ihr aber nehmt mir meine Ehre.“ Maleachi 1,10-12
Wie bekomme ich nun meine Porreestangen und die Opferrituale des Alten Testamentes unter einen Hut? Vielleicht so:
Es kommt immer darauf an, wie ich mit Gott umgehe. Er meint mich persönlich und Er nimmt’s persönlich.
… Und in wenigen Tagen wird Er persönlich in einer Krippe liegen.